Fortschritte in der Historiographie von 1974 in Zypern

Laut Petros Papapolyviou, außerordentlicher Professor für moderne griechische Geschichte an der Universität von Zypern, werden bedeutende Fortschritte bei der historiographischen Untersuchung des Putsches und der türkischen Invasion Zyperns im Jahr 1974 erzielt.
In einem Gespräch mit ΚΥΠΕ wies Herr Papapolyviou auf die verstärkte Beteiligung neuer Wissenschaftler und die Aufzeichnung persönlicher Zeugenaussagen hin, trotz Schwierigkeiten beim Zugang zu Quellen. Der 50. Jahrestag von 1974 trug ebenfalls zum gestiegenen Interesse bei.
Die historiographische Produktion hat mit bemerkenswerten Studien und Dissertationen zugenommen, aber Schwierigkeiten beim Zugang zu türkischen Quellen aufgrund geschlossener Archive und Sprachbarrieren bestehen weiterhin. Es werden jedoch interessante Informationen aufgedeckt.
In den letzten Jahren hat die Aufzeichnung mündlicher Zeugenaussagen von Veteranen und Kriegsgefangenen zugenommen. Diese Zeugenaussagen sind zwar Jahrzehnte später abgegeben worden, aber für die Geschichtsschreibung nützlich, da sie die individuelle Perspektive des Zeugen berücksichtigen und die Informationen quellenmäßig belegen.
Die zeitliche Distanz ermöglicht eine objektive Betrachtung, aber neue Wissenschaftler sind in einem geteilten Zypern aufgewachsen. Militärarchive in Zypern sind jetzt geöffnet, aber es gibt Schwierigkeiten. In Europa werden vertrauliche Archive in der Regel nach 10 bis 30 Jahren geöffnet.
„Popularisierte, nicht dokumentierte Geschichte“ in den sozialen Medien kann zu einer Manipulation der Öffentlichkeit führen. Der Historiker muss Ereignisse interpretieren und neue Quellen ans Licht bringen, anstatt anzuprangern.
Schulbücher müssen geändert werden und es muss ein mutiger Bruch mit dem Lehransatz der Geschichte erfolgen. Es bedarf einer verstärkten Ausbildung der Lehrer. Die Schüler müssen lernen, Ereignisse zu interpretieren und Geschichte zu verstehen.