Analyse: Die Operation in Caracas und die Monroe-Doktrin

Die Operation der Vereinigten Staaten in Venezuela ist eine moderne Version der Monroe-Doktrin, die Lateinamerika seit 1823 als eine Zone vitaler US-Interessen definiert.
Die Absetzung von Nicolás Maduro ist nicht einfach nur die "Bekämpfung eines autoritären Führers", sondern die Umsetzung der Logik, dass Washington sich das Recht vorbehält, in die westliche Hemisphäre einzugreifen.
Seit dem frühen 20. Jahrhundert haben sich die USA zum Hüter der "Ordnung" in Lateinamerika erklärt. Während des Kalten Krieges wurde diese Doktrin zur Eindämmung des Kommunismus eingesetzt, während sie nach 1991 zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten diente.
Heute hat sich Venezuela mit seinen Energiereserven und seiner geopolitischen Bedeutung zu einem Zentrum des Wettbewerbs mit Peking entwickelt. Die Operation in Caracas sendet die Botschaft, dass das amerikanische "nahe Ausland" nicht verhandelbar ist.
Die Monroe-Doktrin, die 1823 entstand, entwickelte sich von einer defensiven Erklärung zu einem Instrument der Durchsetzung. Im 19. Jahrhundert war Großbritannien der stille Garant der Doktrin, während sich die USA später zum Beschützer des Kontinents und zum Hüter der inneren Ordnung erklärten.
Während des Kalten Krieges wurde Lateinamerika zu einer Zone zur Eindämmung des Kommunismus, wobei Putsche und verdeckte Operationen als "Stabilität" bezeichnet wurden. Amerikanische Interventionen sind selten neutral und führen oft zu neuen Instabilitäten.
Auf Sanktionen, diplomatische Isolation und wirtschaftlichen Druck folgen vollendete Tatsachen, wie die Verhaftung eines amtierenden Staatsoberhauptes, was einen Bruch mit der Rhetorik einer "regelbasierten Ordnung" darstellt.