Realpolitik und der 'Wilde Westen' in den internationalen Beziehungen
G.Ch. Papageorgiou analysiert die Infragestellung internationaler Regeln und den Aufstieg der Realpolitik im Anschluss an die US-Intervention in Venezuela. Er weist auf die Reaktionen und die Auswirkungen auf kleine Länder wie Griechenland hin.
Die US-Intervention in Venezuela zur Verhaftung von Nicolás Maduro und seiner Frau verändert das Gleichgewicht in den internationalen Beziehungen. Die Reaktionen berufen sich auf die Achtung der internationalen Legalität und stellen die in den letzten 75 Jahren aufgebauten Regeln in Frage.
China antwortete, dass es seine Interessen in Venezuela mit rechtlichen Mitteln verteidigen werde. Regeln spiegeln oft Machtverhältnisse wider, wie im Fall Zypern, das seit 50 Jahren gegen das Gesetz verstößt.
Die Rückkehr zur 'Kanonenbootpolitik' ist besonders besorgniserregend für kleine Länder wie Griechenland. Der strategische Wert der EU ist trotz ihrer Unvollkommenheiten von grundlegender Bedeutung. Die EU basiert auf der Rechtsstaatlichkeit, und ohne sie droht sie sich aufzulösen.
Die EU und Griechenland stellten sich auf die Seite der USA und übernahmen die Realpolitik, die jede andere Priorität den nationalen Interessen unterordnet. Die Interessen ändern sich jedoch. Europa sieht die USA als Verteidigungspartner und Ausrüstungslieferanten. Aber was ist mit dem Fall Grönland, das die USA 'brauchen'?
Die Verbindung mit US-Interessen durch den Vertical Energy Corridor ist eine Garantie für Griechenland im südöstlichen Mittelmeerraum. Aber was passiert, wenn diese Themen mit der Arktis, der Ukraine, dem Nahen Osten oder Taiwan verhandelt werden?
Die Wahrung nationaler Interessen darf nicht der Abschaffung der internationalen Legalität untergeordnet werden. Langfristig werden Griechenland und Europa durch eine solche Entwicklung verlieren. Denn Realpolitik ist das eine, und der Wilde Westen das andere.